Vor dem Nähen kommt das Lesen und Recherchieren

Leider nehmen einige ihre „Quellen“ nicht so genau. Als Historiker kann ich dazu nur sagen, dass sie wissend Leute hinters Licht führen. Sollten sie sich hingegen nicht einmal bewusst sein, dass sie Lügenmärchen erzählen, ist das noch schlimmer. Natürlich wird man von heute auf morgen keine perfekte Nachbildung machen und man findet an jeder Ausrüstung Fehler. Ich habe an meinen „Mittelalterstiefeln“ auch eine Gummisohle und keine Wendegenähten Unikate. Aber sollte jemand fragen, werde ich das auch zugeben. Manche Darsteller und bisweilen sogar Museen machen das allerdings nicht. Und dann wundert man sich, dass einige Leute beim Thema Mittelalter zuerst an Herr der Ringe oder Game of Thrones denken. Der Eindruck bleibt. Kleiner Tipp: Passt euer Outfit einfach dem Anlass an. Auf einem Mittelaltermarkt brauche ich keine Handnähte. Da ist nicht das richtige Publikum da. Aber wenn ich im Rahmen eines Museumsprojektes mitarbeite, kann der Veranstalter das durchaus verlangen.

Fazit: Macht was ihr wollt, ihr müsst euch auch nicht entscheiden, aber steht dazu!

Hier ein kleines Beispiel für einen Stilbruch anlässlich des WGt 2025 in Leipzig.

Military 700

Beispiel: Mein Anfangskleid (Pseudo-Mittelalter) war aus einem Baumwoll-Leinen-Gemisch, hatte Haken und Ösen aus Plastik und eine Polyesterborte sowie Maschinennähte. Ich liebe es noch immer. Mein derzeitiges Projekt ist eine frühe Tournüre aus Wollstoff (stand Frühjahr 2016), deren Oberteil nach einem Originalkleid und dem davon abgenommenen Schnitt gefertigt ist, während ich im Rockteil etwas variiert habe und teils mit Hand, teils mit der Maschine arbeite. Authentizität heißt nicht unbedingt exakte Kopie, aber man sollte im Rahmen des damals möglichen bleiben.

Morgaine 700

Einige Tips zur Recherchearbeit findet ihr unter Buchtips und Links. Mittlerweile findet sich viel nützliche Info im Internet. Genauso oft gibt es jedoch auch Seiten, die kompletten Blödsinn erzählen. Im Literaturbereich würde ich mich zuerst an Museumspublikationen halten. Diese sind mit wenig Text und vielen Bildern auch für Laien sehr gut zu verstehen und nicht ganz so trocken zu lesen. Natürlich gibt es auch einige rein wissenschaftliche Texte, die weniger zur Anschauung gedacht sind als für tatsächliche Forschung innerhalb eines Faches. Leider sind sie meist sehr teuer und speziell zu einem „Nischenthema“.

Konfessor Gang 700

Hier seht ihr zwei Vergleichsbilder. Das erste ist eines meiner früheren Mittelaltermarktkleider, bei dem ich mich von einer fabtasy-Fernsehserie habe inspirieren lassen. Mir war natürlich bewusst, dass es nicht „historisch“ war, aber solche Kleider findet man auch oft als „Gewandung für die holde Maid“ auf Mittelaltermärkten, wo sie dann mitunter als historisch verkauft werden. Das zweite Bild zeigt unsere Outfits vom letzten Markt in Stettenfels 2016. Sie sind auch noch nicht „perfekt“, aber auf jeden Fall deutlich näher am Stand der Forschung.

Wiki-Pärchen 5