Wie bereits auf der Hauptseite des Cosplays erwähnt, habe ich sehr viel mit Screenshots von Pinterest gearbeitet, um Yennefers Outfit aus „Witcher 3 – Wild Hunt“ nachzuarbeiten. Trotzdem reichte das Material sehr gut, um eine Rundumsicht des Outfits zu generieren. Yennefer ist eine Magierin, die sich ausschließlich in schwarz und weiß kleidet.

Angefangen habe ich mit der Schnitterstellung für Bluse, Hose und Oberteil. Dazu benutze ich meinen Basisschnitt aus dem Buch „creating historical clothes“, damit alle Teile auf Maß gearbeitet sind. Anhand von Probeteilen konnte ich dann noch einige Änderungen vornehmen. Diese beiden Teile des Fertigungsprozesses haben schon ein paar Tage in Anspruch genommen.

Als Materialien habe ich mir dann einen Meter weiße Baumwolle, anderthalb Meter Baumwollstoff mit einer Art Jacquardmuster (eigentlich Samt) und anderthalb Meter Kunstvelourleder (Waschleder) bestellt.

Angefangen habe ich mit der Hose. Nach dem Zuschneiden und Umsäumen habe ich zunächst das Muster per Hand gestickt. Dafür kam cremeweißes Baumwollstickgarn zum Einsatz. Das Muster auf den Ärmeln ist hingegen in reinweiß gehalten. Von jeder Farbe habe ich zwei Stränge à 8 Meter zur Verfügung gehabt. Hier sieht man das Muster recht gut:

Danach habe ich von dem weißen Baumwollstoff des Hemdes zwei Streifen abgeschnitten, die die Form der Hosenaußenkante haben, und dieses im nächsten Schritt auf das Vorderteil aufgenäht. Durch den kleinen Trick, den man hoffentlich auf den Bildern gut erkennt, ist an dieser Stelle dann auch keine Naht zu sehen.

Geschlossen wird die Hose zunächst über fünf Haken- und Ösenpaare. Diese habe ich etwas aufwendiger als gewöhnlich verarbeitet, um sie unsichtbar zu lassen. Außerdem besitzt sie einen schmalen Bund mit einem zusätzlichen Hakenpaar.

Dann habe ich mich an die Bluse gemacht. Sie ist komplett aus oben erwähntem weißen Baumwollstoff und besteht aus einem Rückteil, zwei Vorderteilen und den Ärmeln. Obwohl die Kostüme der Witcher-Reihe eher an das späte Mittelalter angelehnt sind, habe ich die Bluse recht modern in der Schnittführung gehalten, sprich mit Abnähern versehen. Das kommt durch Yennefers sehr enganliegende Kleidung, unter der ich keine auftragenden Schichten haben möchte. Mithilfe von fünf metallenen Häkchen-Augen-Paaren kann ich die Bluse schließen.

Parallel zu den anderen Kleidungsstücken habe ich bereits mit der Jacke angefangen, zuallererst mit meinem Probeteil, das ich dann auch gleich als Futter verwenden konnte. Diese Schicht besteht aus schwarzem Baumwollköper, während der Oberstoff einen minimalen Polyesteranteil besitzt und ein Samt mit Ornamentmuster ist. Das Muster passt meiner Meinung nach sehr gut zum Originalstoff. In einer Schnittmusterüberarbeitung habe ich darauf geachtet, dass alle Abnäher und fast alle Teilungsnähte unter den Lederstreifen und anderen Teilen verborgen sind.

Ich habe zuerst die Futterteile aneinander genäht, ebenso die Teile des Oberstoffes. Die Schulternähte mussten offen gelassen werden, um im nächsten Schritt die beiden Schichten links auf links aufeinander zu nähen. Das Schößchen habe ich zwischenzeitlich vom Probestoff wieder abgetrennt. Die Linien für die späteren Verläufe der Lederstreifen konnte ich mit Kreide anzeichnen. Danach habe ich erst einmal alles mit Nähten fixiert. Das anschließende Aufnähen der Lederstreifen hat recht viel Konzentration gekostet. Ich habe richtiges Rindsleder verwendet, womit meine Nähmaschine allerdings meist keine Probleme hat.

Danach konnte ich die Scößchenteile wieder annähen – sowohl Futter als auch Oberstoff – womit das Ganze dann so aussah:

Dann erst konnte ich die unteren Enden der Lederbänder richtig festnähen. Außerdem waren nun die Ärmel an der Reihe: Sie bestehen aus zwei Schichten, beide aus demselben gemusterten Samtstoff. Die unteren besitzen die bereits oben gezeigte Stickerei und sind etwa halblang. Im Kontrast dazu sind die oberen sehr kurz und mit Leder eingefasst.

Außerdem habe ich mich an die Bänder gewagt, die das untere Ende des Ärmels verzieren. Sie sind schwarz und haben einen weißen Rand. Ursprünglich wollte ich sie aus Stoff fertigen und mit weißer Stoffmalfarbe bemalen, doch trotz meiner Abklebversuche sind die Kanten nicht sauber geworden.

Nachdem ich also einen Nachmittag in den Sand gesetzt habe, hat sich mein Freund die Screenshots kurz angeschaut und sofort eine Lösung gewusst, auf die ich schon gar nicht mehr gekommen bin: Ich sollte einfach einen weißen Stoffstreifen nehmen und das Leder draufnähen. Tatsächlich sieht man auf den Bildern dort eine Naht. Gesagt, getan – an mehreren Nachmittagen habe ich 22 dieser Exemplare gefertigt, bei denen ich extrem langsam und genau nähen musste. Auf den Bildern sieht man die Arbeitsschritte und dass ich außerdem hellen Unterfaden genommen habe, um die Nähte zu verbergen. Die Kanten beider Teile sind zueinander gefaltet und somit auch nicht sichtbar.

Als nächstes war der Stoffgürtel an der Reihe, den man unter Yennefers Oberteil hervorblitzen sieht und der aus demselben Oberstoff besteht. Ich habe den Schnitt mithilfe des Hosenbasisschnittes erstellt und dementsprechend Abnäher eingefügt, damit das Teil sehr körperbetont sitzt. Das schräg angenähte Stück fällt hingegen locker herunter. Wieder schließt das Ganze mit 7 Paar Haken und Augen auf der Rückseite.

Damit habe ich vor Allem eines vor mir hergeschoben, nämlich die Front der Jacke. Dort musste ein breiter Lederstreifen angenäht werden, ebenso am unteren Rand. Das war nicht nur kompliziert aufgrund der vielen Schichten, sondern musste wenn möglich auch auf Anhieb klappen, da man aufgetrennte Nähte auf Leder sieht. Fertig sah das Ganze inklusive Kragen dann so aus.

Hier noch ein Detailfoto der Ecken außen:

Und die Lösung innen: Die Schichten waren dort zu dick, also musste von Hand gearbeitet werden.

Der Kragen sieht bisher so aus:

Wieder zurück bei den Ärmelbändern habe ich zunächst jeweils doe Enden aneinander genäht und das Ganze anschließend gewendet. Im nächsten Schritt habe ich die genaue Form festgelegt und fixiert.

Beim Annähen an den Ärmel habe ich mit voller Kraft per Hand nähen müssen. Außerdem hat sich herausgestellt, dass ich 12 statt 11 Elemente pro Seite brauchen würde. Grob fixiert sah das Ganze dann folgendermaßen aus:

Damit die Teile bei Bewegung nicht durcheinanderwedeln, habe ich die benachbarten mit einem weißen Faden etwas aneinander fixiert. Im nächsten Schritt kam dann die „Schnur“ mit den Perlen dran. Sie besteht aus schwarzem Stickgarn mit je 12 Wachsperlen in 5mm Größe pro Seite.

Zusätzlich zur Hauptkordel wurde jede Perle noch mit einem weiteren Faden angenäht, aber locker genug, dass sie nicht zwischen der breiten Verzierung verschwinden konnte.

Die Jacke besitzt vorne zehn silberne Knöpfe. Meine kommen der Vorlage schon recht nah. Angenäht habe ich sie per Hand mit schwarzem Leinenfaden, was meine Finger in Mitleidenschaft gezogen hat. Zum Teil musste ich zum Durchziehen der Nadel eine Zange benutzen. Auf der gegenüberliegenden Seite befinden sich Schlaufen aus dehnbarer Kordel. Bei einem Blick auf die Rückseite lässt sich erkennen, dass ich zusätzlich vier stabile Haken aufgenäht habe. Dort sollen noch entsprechende Ösen hin. Damit möchte ich die Hauptlast von den Knöpfen nehmen.

Außerdem ist nun mein Medaillon angekommen, dass ich auf eBay gekauft habe.

Kompliziert wurde es dann noch einmal bei den Stiefeln: Im Deichmann konnte ich zwei Paar Schuhe ergattern, die sich super als Basis für Ciri und Yennefer geeignet haben.

Zuerst habe ich die angenähten Schnallen abgeschnitten. Dann konnte ich aus Kunstleder Verlängerungen des Schafts nähen. Diese hat einen Reißverschluss zum besseren Anziehen. Das oberste Stück musste ich drei Mal in der Form abändern, bis ich endlich zufrieden war.

Danach folgten die neuen Lederbänder mit Schnallen. Auch das ließ sich noch mit der Maschine bewältigen.

Bei den längs verlaufenden Teilen wurde es dann richtig knifflig. Zum Teil musste ich hier per Hand nachhelfen.

Zuletzt folgte noch eine Art T-förmiges Teil ganz unten am Schuh, das Ziernieten besitzt und separat geschlossen werden muss, um beim Anziehen nicht im Weg zu sein.

Fertig sieht der Stiefel nun so aus:

Erst relativ spät konnte ich die kleinen Bänder an den Stoffgürtel anfügen, da ich die Metall-Endkappen zusammen mit Korsettstoff aus Großbritannien bestellt habe.

Die Schnüre sind dabei zunächst in das Metallteil geklebt worden, welches dann noch per Zange zugedrückt werden musste. Danach konnte ich eine Schleife formen und habe diese angenäht. Insgesamt sind es acht Stück.

Um das Kostüm Con-tauglich zu machen, fehlt eine Tasche. Also habe ich das Design von Ciris Gürteltasche  übernommen und eine aus schwarzem Leder gefertigt:

Dann fehlten noch die Handschuhe. Dafür habe ich sehr dünnes, feines Velourleder gekauft. Das Schnittmuster zu erstellen war ein Albtraum, aber nach unzähligen Versuchen ist es mir doch gelungen.

Bis zum Ende habe ich mir die Fellteile des Kostüms aufgehoben, da ich noch etwas unsicher war, wie ich sie fertigen wollte. Letztendlich habe ich mich für Echtfell entschieden, da ich noch ein schwarzes Schaffell auf dem Dachboden gefunden habe. Auf dieses habe ich dann meine Schnittmuster gelegt und von der Lederseite aus mit einem Cutter ausgeschnitten. Auf dem Bild sieht man, wie ich zuerst nicht gut auf die Fellseite geachtet habe. Dort befand sich ein Fehler und ich musste das Teil neu zuschneiden.

Da das Fell einige Zeit herumlag, musste ich es zunächst entfilzen und kämmen. Dann musste es noch etwas gekürzt werden. Dabei kam die Unterwolle etwas zum Vorschein, die etwas brauner ist als das lange Fell.

Da Stecknadeln nicht kräftig genug sind, habe ich kleine Klemmen benutzt.

Genäht habe ich das Ganze mit einem Zickzack-Stich. In diesem Licht wirkt das Fell sehr braun:

Der fertige Handschuh sieht von innen und außen dann so aus:

Um es zu komplettieren, mussten noch weiße Schnüre für die Handschuhe her. Etwas aufwändiger waren die beiden, mit denen das Cape geschlossen wird. Diese sind je nach Quelle weiß, gold, oder ein Mix aus beidem. Ich habe mich dafür entschieden, weiße Kordel mit goldenem dünnen Band zu umwickeln.

Dann kamen erneut die metallenen Enden dran.

Der Gürtel ist braun und besitzt eine metallene Schnalle. Auf dem Bild nicht zu sehen ist das eingekerbte Muster.

Um den Look zu vervollständigen, habe ich mir die Haare mit vier Packungen schwarz gefärbt. Das wollte ich ohnehin schon seit einer ganzen Weile tun.

Fertig! Hier geht es zur Hauptseite des Kostüms!

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