Wer kennt dieses Problem nicht: Bei Kostümtreffen möchte man nicht auf moderne Helferchen wie Uhr, Haustürschlüssel oder Handy verzichten, hat aber keinen Stauraum dafür, denn historisch anmutende „Handtaschen“, z.B. Muff etc. bieten einfach nicht genug Platz und die modernen Riesentaschen passen einfach nicht dazu. Hier gibt es jetzt eine Anleitung für ein paar Hängetaschen des 18. Jahrhunderts. Sie wurden unter den Rock gegürtet und konnten durch Schlitze im seitlichen Rockteil erreicht werden. Dadurch hat man Verstauraum, muss aber nicht mit riesigen Unterbauten kämpfen. Bei einer Robe a la Polonaise auf jeden Fall hilfreich. Hinweis: Die angegebenen Maße sind Minimalwerte. Kleiner würde ich die Taschen auf keinen Fall machen. Möchte man z.B. noch einen zusammenklappbaren Regenschirm dabei haben, würde ich das Schnittmuster mal 1,5 nehmen. Nicht nur einfarbige Exemplare sind denkbar, auch bunte Taschen sind überliefert.

 


Material

– Baumwolltuch o. Ä.
– stabiles Band, ca. 2mal das Taillenmaß, damit genug Band für eine Schlaufe übrig ist
– Band zum Umnähen der Taschen, 2x Außenmaß + Zugabe


Schnittmuster:

Schneidet dieses Schnittmuster 4 mal aus. Die gestrichelte Linie zeigt den Verlauf des Schlitzes zum Eingreifen. Den dürft ihr nur bei zwei der Teile ausschneiden.

Hängetaschen Schnittmuster


Nähen

Maschine:

Nehmt die beiden geschlitzten Teile beiseite und fügt dort das Schrägband an, damit die Schlitze stabiler sind (siehe Bild). Bei dünnem Stoff oder einer Bestickung empfiehlt sich vorher eine Fütterung. Näht nun immer Vorderseite (mit Schlitz) und Rückseite links auf links zusammen. Dann wird das Band so angefügt, dass es die ungesäumten Kanten verschließt. Alternativ kann man die Teile auch nur aufeinander stecken und erst mit dem Band zusammen vernähen. Fügt als Letztes das stabile Band an die beiden fertigen Taschen. Jede Tasche sollte auf einer Seite hängen. Vorne könnt ihr das Band dann mit einer Schleife o.Ä. binden.

Ich habe beim ersten Paar Taschen den Fehler gemacht, es nach heutiger Art rechts auf rechts zu nähen, statt das Band zu benutzen.

 

Per Hand:

Hier funktioniert es etwas anders. Hier wird zunächst der Schlitz mit nicht schräg zugeschnittenem Schrägband gesichert. Danach werden Vorder- und Rückteil links auf links aufeinander gelegt. Zusammen gefügt werden sie durch weiteres Annähen von Schrägband, nicht durch aneinandernähen und wenden.


Zusatzinfo:

Diese Taschen waren im Rokoko häufig bestickt oder verziert. Es sieht bestimmt sehr schick aus, wenn Reste von Jacquard Stoffen o.Ä. verwendet werden.