Diese Anleitung ist für Unterbauten des späteren Rokoko geeignet. Während in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts noch das (grob) wie ein ovaler Reifrock aussehende Pannier getragen wurde, griff man später auf die kleineren Poschen zurück, die rechts und links von der Hüfte getragen wurden. Diese hier sind schön breit und nicht so klein wie bei einigen gekauften Schnittmustern. Sie wirken auf den ersten Blick ungewohnt, verleihen aber die passende Silhouette. Denn umso breiter die Hüfte, desto schmaler wird optisch die Taille. Mit einem oder mehreren Röcken wird die Linie weicher und die Stahleinsätze können sich nicht mehr durchdrücken.

Poschen groß fertig


Materialien:

– fester Köper für den Hauptteil der Poschen
– dünnerer Baumwollstoff für den oberen Teil
– 5,84m Stahlband, z.B. 11mm breit, (8x 0,73m) und 16 Endkappen (unbedingt Stahl, kein Plastik!)
– 10,9m Baumwollfalzband (kein Schrägband) oder wahlweise davon 6m Tunnelband (10,9m teilen sich auf in: mind. 1,1m Taillenband, 2x 0,4m für Schlitz, 6x 0,5 für Schlaufen, 8x 0,75m für Tunnel)


Schnittmuster:

Seiten: (2x) 40x75cm + Nahtzugaben hinzufügen, aus Köper
Innen: (2x) 41x28cm + NZ, aus Köper
Boden siehe Zeichnung (+NZ), aus Köper
Oben siehe Zeichnung (+NZ) aus Baumwolle

Poschen Schnittmuster


Nähen:

Alle Teile umsäumen, das Stahlband zuschneiden und mit Endkappen versehen, das Band ebenfalls zuschneiden und die Ecken umnähen
Anleitung pro „Beutel“, d.h. alle Schritte müssen natürlich zweimal ausgeführt werden.
Nun die Tunnel auf die Seitenteile nähen. Hierbei bleibt eine Seite offen.

Poschen Tunnel
Die kürzere Kante (und zwar die, bei der die Tunnel bereits zugenäht sind!) wird nun rechts auf rechts an das Innenteil genäht. Letzteres ist 1cm länger. Dieser cm wird umgeschlagen.
Die längere Kante wird nun auf die Rundung des Bodens genäht. Rechts auf rechts (grün auf der Schnittmusterzeichnung).
Nun wird das Innenteil an die blaue Kante des Bodens genäht (rechts auf rechts). Die Teile sehen nun wie ein Beutel aus, dessen spätere Außenseite noch innen ist.

Poschen Innenleben
Jetzt erst wird das Stahlband durch die noch offene Seite der Tunnel eingezogen. Während man den Stahl mit Nadeln vom Herausrutschen hindert, wird der „Beutel“ nun geschlossen, indem Seitenteil und Innenteil an der zweiten Kante aneinander genäht werden.
Poschen Tunnel einziehen

Nun das ganze Teil wenden.
Das obere Teil bekommt nun einen Schlitz, durch den man die Poschen später wie Taschen nutzen kann. Band zum Verstärken wird angenäht.
Rechts auf rechts wird die grüne Kante des oberen Teils nun an die verbliebene lange Seite des Seitenteils genäht.
Die nicht farblich markierten Kanten werden 1cm breit umgeschlagen und festgenäht.
Die rote Kante wird nun in Falten gelegt und an das Taillenband genäht.

Poschen Seite
Wie eng die Falten liegen müssen, ist je nach Taillenbreite des Trägers unterschiedlich, außen sollten sie jedoch enger liegen als innen. Am Besten lässt sich dies an einer Schneiderpuppe ausmessen. Im Zweifel nimmt man das halbe Taillenmaß als Abstand zwischen den Stellen, wo die beiden Schlitze der Taschen sich befinden.
Nun können wahlweise noch Bänder angenäht werden, die das Verrutschen verhindern. Vorne eins, hinten zwei.

 


Update:

Um eine Silhouette zu erzeugen, bei der die Seiten nicht  ganz so schnell abfallen, kann man nachträglich ein weiteres Stahlband einnähen. Dieses verläuft von der Kante vorne oben bis zur gleichen Kante hinten, steht aber etwas aufrechter.

Zuerst näht man zwei Stoffstücke an den Startpunkten an, in die jeweils ein Ende des Stabes gesteckt wird.

Dann wird am Ende des Eingreifschlitzes eine Lasche oder Vergleichbares angenäht, das den Verlauf des Stabes angibt. Nun kann man den weiteren Winkel und Verlauf des Stabes durch dessen Länge bestimmen. Ist man zufrieden mit der Form, steckt man den Stoff in Falten; und zwar exakt an den Stellen, wo der Stab langläuft. Mit ein paar großen Stichen lässt sich die Falte und auch der Stab durch eine Art Garnschlaufe an dieser Stelle fixieren.

Fertig!

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