Erfahrungsbericht, keine Anleitung im engeren Sinne!

Im Gegensatz zu chemischen Farben, die in ihrem Ergebnis meist sehr nah an der Packungsbeschreibung bleiben, erfordert das Verwenden von natürlichen Materialien etwas mehr Experimentierfreude. Meine Erfahrungen habe ich auf Basis vieler Rezepte aus dem Internet gemacht und möchte sie nun mit euch teilen. Solltet ihr eine tatsächliche Anleitung suchen, sind Expertenseiten vermutlich verlässlicher. Dieser Artikel soll eher als Einstieg dienen und beschreibt meine Vorgehensweise. Bitte verlasst euch nicht vollständig darauf.  

Wichtig: Keine Behälter danach für Lebensmittel benutzen. Manche Zutaten sind giftig. Nehmt einen eigenen Topf nur für das Färben.

Material: Es eignen sich nur Naturfasern wie Wolle, Baumwolle, Leinen oder Seide. Wolle liefert die besten Ergebnisse. Bei Seide muss man zudem vorsichtiger vorgehen. Auf dem Bild seht ihr, dass derselbe Farbsud bei Leinen und Wolle unterschiedlich ausfällt. Leinen wird blasser. Links: Walnussschale, Rechts: Walnussblätter, Vorne: Schale auf Leinen.

Vorbeize: Das Material sollte zunächst vorbehandelt werden. Dazu eignet sich zum Beispiel Kalialaun. Meines habe ich von wollnoll.eu (nicht gesponsert). Etwa 5-20% sind nötig, wobei ich mittlerweile 20% nutze (also Gewicht der Wolle durch 5 geteilt, z.B. 20gr bei 100gr, 40 bei 200gr). Ihr bringt Wasser zum Kochen, tut das Zeug vorsichtig hinein, rührt (das Internet ist sich nicht sicher ob es giftig sein kann) und erhitzt die Mischung. Dann kommt die Wolle hinein und wird 1 Stunde lang heiß gehalten. Ich lasse es danach über Nacht ohne Hitze stehen.

Farbsud: Die Wolle wird gespült und ist nun bereit für das Aufnehmen von Farbe. Rezepte finden sich online, auf Seiten von Leuten, die wirklich etwas davon verstehen. Ich probiere hingegen mit den Mengenangaben immer noch herum. Jedenfalls wird das Färbematerial erhitzt und etwa eine Stunde lang gekocht, bis das Wasser die gewünschte Farbe hat. Mit einem Sieb sollte das Material dann herausgefischt werden. Die Wolle kommt danach dazu und bleibt eine Stunde erhitzt. Danach lasse ich alles über Nacht abkühlen.

Nachbehandlung: Ich spüle die Wolle mit ca. 30% Essig, 70% Wasser aus. Es folgen weitere Waschgänge mit normalem Wasser. Beim Trocknen in der Sonne zeigt sich dann, ob die Farbe lichtecht ist.

Tipp: Bindet die Wolle etwas zusammen, damit sie nicht verknotet und verfilzt, aber wiederum nicht zu dicht, da der Farbsud überall hinkommen muss.

Zur Umweltverträglichkeit: Anscheinend kann alles in kleineren Mengen über den Abfluss entsorgt werden. Erkundigt euch aber sicherheitshalber. Kippt es bitte nicht irgendwohin, wo es nicht den Weg in die Kläranlage findet. Klar fallen Walnüsse auch so vom Baum, aber Kalialaun in der Regel nicht.

Was ich bisher benutzt habe:

  • Walnüsse (grüne Früchte) – ein sattes Dunkelbraun auf Wolle, beige auf Leinen
  • Walnussblätter – ein helleres Braun auf Wolle
  • Johannesbeeren – nicht lichtecht, wird zu zartem Beige auf Wolle
  • Brombeeren, wild mit Stängel – auch nicht lichtecht, wird zu hellem Dreckbraun auf Wolle
  • Rostkastanien, äußere Schale, leicht angetrocknet – grünliches Hellbraun auf Wolle
  • Wilder Wein, Blätter – ein etwas enttäuschendes Grün
  • Zwiebelschalen, braun – o la la, ein krasses orangegelb
  • Karottengrün – hellgrün, fast leuchtend
  • Rostkastanien, innere Schale – hellbraun
  • Rote Beete – leider bei mir sehr ausgeblichen von rötlich-braun auf beige

Was ich noch probieren möchte:

  • Zwiebelschalen, rot
  • Rost als Entwicklersubstanz
  • Avocadokern
  • Avocadoschale    

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