Über das mittelalterliche Basiskleid könnt ihr verschiedene Übergewänder tragen. Für die Wikingerzeit wäre das passende Kleidungsstück ein sogenanntes Trägerkleid oder Trägerrock. Es fängt knapp über der Brust an und fällt dann fast bis zum Boden, also ähnlich einer weiter werdenden Röhre. Oben gehalten wird es mithilfe zweier Träger, die aus Stoff, einer Borte oder einem geknoteten Band bestehen können.

Trägerkleider, im englischen apron dresses, können aus Leinen (siehe oben) oder Wolle (siehe unten) gefertigt sein. Im Gegensatz zu vielen mittelalterlichen Kleidern liegen sie recht eng an und sollten daher eine Schnürung besitzen. Noch figurbetonter können sie durch das Einfügen von Abnähern unter der Brust gefertigt werden, die in Haithabu sogar nachgewiesen wurden.

Zum Schnittmuster: Die röhrenähnliche Konstruktion wird mithilfe von Keilen taillenabwärts auf die erforderliche Weite gebracht. Daher müssen die Vorder- und Rückenteile alleine bereits die Weite der Brust ergeben. Sollen die Nähte seitlich liegen und die Schnürung hinten, wird das Maß (+10% Toleranz) durch zwei geteilt. Die hintere Hälfte wird erneut durch zwei geteilt. Es entstehen zwei Rückteile und ein Vorderteil. Die Länge entspricht dem Maß von der Achselhöhle abwärts bis zu dem Punkt, wo es reichen soll, als z.B. 20cm über dem Boden, damit man das Unterkleid noch sieht.

Die Keile sollten dafür sorgen, dass das Kleid eine Weite von 250cm (schmale Frauen) bis 300cm erreicht. Zieht also von diesem Maß die drei Hauptbahnen (Vorne, Hinten 1, Hinten2) ab und teilt das Restmaß durch drei, da wir drei Keile einsetzen. Das Ergebnis sagt uns, wie breit ein Keil ist. Der hintere wird nochmals geteilt. Die Länge wird ab der Taille bis zum gewünschten Endpunkt gemessen.

Hier ein Beispiel: bei 90cm Oberweite sollte das Maß oben inklusive Nahtzugabe 99cm ergeben. Sagen wir 98 zum besseren Rechnen. Durch zwei geteilt ergibt das 49. So breit ist das Vorderteil. Das Rückteil muss nochmal geteilt werden, dann ist jedes 44,5 breit. Die Länge wird 110cm gewünscht (im Vergleich: Körpergröße 160cm, Schulter-Boden 140cm). 250cm soll es insgesamt sein, 98 haben wir schon; bleiben 152. Durch drei sind das gerundet 51cm pro Keil. Und der hintere wird geteilt, also gerundet 25. (Bei solchen Größen muss man nicht so genau sein.) Die Länge der Keile beträgt 85cm.

Danach muss alles auf den Stoff verteilt werden. 2m sollten dabei reichen, dann bleibt sogar noch einiges an Rest.

Alles wird ausgeschnitten und im Falle einer Nähmaschine umsäumt. Dies entfällt beim Handnähen.

Danach werden die Seitenkanten jeweils rechts auf rechts aufeinander gesteckt (Position siehe obige Bilder) und mit etwa 1cm Nahtzugabe aufeinander genäht. Hinten bleibt etwas weniger als die obere Hälfte offen.
Beim Handnähen müssen die Nahtzugaben jetzt noch verwahrt werden. Dazu nach rechts und links auffächern und dann umschlagen.

Mit kleinen Stichen, die man vorne kaum sieht, festnähen.

Der Saum wird doppelt umgeschlagen und mit Maschine oder per Hand festgenäht. Dasselbe gilt für die obere Kante.
Der noch offene Teil der hinteren Naht wird ein oder zwei Mal umgeschlagen und dann mit handgenähten Ösen versehen, durch die später eine Schnürung geht. Meine liegen etwa 4cm auseinander.

Nun folgt eine Anprobe. Man kann dabei entscheiden, ob noch zusätzliche Abnäher eingefügt werden. Diese sind individuell und nicht unbedingt nötig. Ein Helfer sollte dabei abstecken.

Außerdem wird die Länge der späteren Träger gemessen. Diese werden hinten angenäht und vorne nur gesteckt oder gebunden. Dazu trägt man theoretisch eine ovale Brosche, die den Träger mit einer Schlaufe am Trägerrock verbindet. Für den Anfang kann der Träger aber auch direkt durch die Schlaufe geführt werden.

Fertig ist der Trägerrock.

Beachte auch:
Mittelalter Basiskleid
Überblicksseite Wikingerkleidung

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