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Barock wird sicherlich nie zu hundert Prozent meine Epoche sein, da mir viele Formen und Muster zu fremdartig erscheinen und ich mir mich selbst darin nicht vorstellen kann. Trotzdem möchte ich im Laufe der Zeit in jede Epoche einmal hineinschnuppern und im Falle des 17. Jahrhunderts bieten sich die formalen Kleider an, aus denen die spätere Hofmode hervorgegangen ist. Erhalten sind davon nur wenige Stücke, wie z.B. ein Oberteil im V&A Museum, sodass meine Inspirationen überdurchschnittlich oft in die Kategorie Gemälde fallen, siehe Gemälde 1 (gelbes Kleid), Gemälde 2 (blaues Kleid) und Gemälde 3 (graues Kleid). Eine ähnliche Stofffarbe gibt es im Gemälde 4 (grünliches Kleid). Beiden Quellen ist gemeinsam, dass man nicht viel über die Röcke erfährt. In The Cut of Women’s Clothes schreibt Norah Waugh, dass diese aber meist sehr unspektakulär ausgefallen sind, wodurch ich mein Hauptaugenmerk bei der Verzierung auf das Oberteil lenke.

Materialien

Obwohl die Portraits für mich den Anschein machen, als sei Seidensatin verwendet worden, und auch das Oberteil im V&A dies als Hauptmaterial angibt, habe ich mich aus Kostengründen für einen Dupion entschieden. Dieser besteht ebenfalls aus 100% Seide, weist aber eine unregelmäßigere Textur auf. Auch bei der Wahl der tragenden Futterschichten habe ich nicht die historisch korrektere Wahl getroffen. Dicht gewebte Leinenstoffe sind heute nur noch schwer erwerbbar, sodass sich die locker gewebten Ersatzprodukte unter dem Zug womöglich dehnen oder verformen würden. Stattdessen ist meine Entscheidung zu Gunsten von Baumwollcoutil ausgefallen, der vor allem im Korsetthandwerk Verwendung findet. Zwischen zwei Lagen sollen die Stäbchen geschoben werden. Anstelle von Fischbein gibt es wie immer Kabelbinder. Beim inneren Futter kann hingegen wieder der Leinenstoff glänzen. Genäht werden die inneren bzw. nicht sichtbaren Nähte mit Leinen-, die sichtbaren mit Seidengarn. Beim Seidengarn liege ich leider zwischen mehreren Farbtönen, wie man auf dem Bild erkennen kann. Granate und Süßwasserperlen sollen spätere Dekorationshighlights bilden.

Update: Durch zwei Lagen komme ich mit der Nadel nicht hindurch. Also muss ich eine durch Leinen ersetzen.

Schnittmuster

Wie immer mochte ich meine Schnittmuster selbst erstellen. Im Falle des Rockes bedeutet das nicht sonderlich viel Arbeit, da drei rechteckige Stücke Stoff einander genäht werden. In meinem Fall ergibt das 3,3m Saumweite. Das Oberteil hat eine Form, die mich immer wieder an Stays des 18. Jahrhunderts erinnert hat. Dementsprechend habe ich meine Stays als Basis verwendet. Ursprünglich geht ihre Form auf eine Skizze aus Diderots Enzyklopädie zurück, die ich mit der Zeit etwas modifiziert habe. Dieser pro Seite zweiteilige Schnitt musste nun neu unterteilt werden, sodass im Futter drei und im Oberstoff vier Stücke hervorgehen, wie es The Cut of Women’s Clothes für ein Modell von 1660 zeigt. Für den Ärmel habe ich meinen Grundschnitt mit weit geführten Freihandlinien erweitert.

Oberteil

Wie bereits bei den Materialien erwähnt, besteht das Oberteil aus vier Schichten. Nur die oberste wird man später sehen, doch die restlichen sorgen für die nötige Struktur, da es keine Stays unter diesem Ensemble gibt, sondern lediglich eine Chemise. Zwischen einer Leinen- und einer Coutilschicht fanden also die Kabelbinder ihren Platz. Zunächst wollte ich breitere Tunnel für 7,8mm breite Plastikstäbe nähen, habe sie dann jedoch jeweils unterteilt zugunsten einer feineren Verstabung.

So wurde jedes Teil vorbereitet. Der Stich ist ein einfacher Rückwärtsstich mit Leinengarn.

Vor dem Aufnähen der Seide wollte ich bereits eine Anprobe machen, wofür Schnürösen her sollten, die aber wiederum durch alle Schichten gestickt werden müssen. Die Lösung bestand darin, den Bereich der Ösen schon einmal mit Oberstoff zu versehen, den Rest jedoch noch nicht.

Jetzt wurden alle Futterschichten per Rückwärtsstich miteinander verbunden.