Für einen Look mit breiten Unterbauten reicht der Basisschnitt für einen Rock nicht aus. Hier muss die Mehrweite eingerechnet werden, die ein solcher Unterbau verlangt. Vor Allem im Rokoko kommt das recht häufig vor. Die folgende Anleitung beschäftigt sich hauptsächlich mit der Erstellung des Schnittmusters, da die Nähtechniken denen eines Basisrocks gleichen.

Die Anleitung für einen solchen Unterbau findest du unter Rokoko Poschen.


Anprobe:

Alle Teile, die später unter den Rock angezogen werden, sollten auch getragen werden, um Messungenauigkeiten vorzubeugen. Schuhe nicht vergessen! Die Stays bestimmen schon sehr genau, wo die Taille liegt. Dort wird der Unterbau geknotet. Der spätere Rock liegt dann, so wie in der Zeichnung zu erkennen ist, entsprechend darüber.

Nun muss gemessen werden.

  1. Ist das Maß von Boden bis zu Beginn der Poschen.
  2. Ist das Maß vorne von dort, wo a endet, bis zur Taille.
  3. Ist wie b das Maß vom Endpunkt a bis zur Taille, allerdings seitlich gemessen.

C sollte wesentlich länger sein als b.


Schnittmusterzeichnung

Nun werden die gemessenen Maße auf ein Blatt Papier übertragen. Das entstehende Schnittmuster gilt für die Hälfte des späteren Rockes und ist somit eine Stoffbreite breit, in der Regel also 140cm. Damit wird der fertige Rock etwa 280cm weit am Saum.

Das bedeutet, die horizontale Linie beträgt 140cm.

Dann wird a abgetragen, im rechten Winkel zur horizontalen Basislinie.

Daraufhin sollte an den Rändern des Schnittmusters die Länge von c addiert werden.

Im Zentrum befindet sich hingegen b, da dort auch der Stoffbruch bzw. genau die vordere Mitte des Rockes liegen wird.

Im nächsten Schritt müssen die Endpunkte von a+b und a+c miteinander in einer kurvigen Linien verbunden werden. Wichtig ist, das man später zwar Stoff abschneiden, aber nicht dazunähen kann. Die Kurve sollte also im Zweifel lieber etwas mehr Stoff einplanen, sprich weiter oben verlaufen.

Vorne, also direkt im Stoffbruch, läuft die Linie kurz gerade. Hier werden später auch keine Falten sein.

Unten sollte noch eine recht breite Nahtzugabe hinzugerechnet werden, z.B. 10cm, die dem späteren Rock mehr Steifheit verleihen.

Jetzt kann zugeschnitten werden. Das Teil wird zweimal gebraucht.  Wird allerdings eine Robe darüber getragen, muss nur der vordere sichtbare Teil aus gutem Stoff sein. Beim hinteren darf gespart werden. Hier reicht ein fester Futterstoff.


Falten legen

Für den nächsten Schritt gibt es leider kein Patentrezept. Hier ist Handarbeit gefragt. Über eine Schneiderpuppe werden die Poschen gezogen. Stays sind hier nicht nötig. Dann wird die Stelle, an der der Stoffbruch liegt, an die vordere Seite der Schneiderpuppe gepinnt und die Seitenkanten jeweils an die Seiten, also in der Mitte der jeweiligen Poschen. Beim praktischen Umsetzen dürfte das bald klar werden. Wer mag, kann auch beide Teile gleichzeitig verarbeiten. Dazu müssen die Seitenkanten der Rockteile zuerst geschlossen werden.

Vorne mittig werden wie erwähnt erst einmal keine Falten gelegt. Alles andere wird in große Falten gelegt. Hier hilft wie gesagt nur Ausprobieren. Das Beispielbild zeigt die hintere Hälfte.


Nähen

Sind die Falten gelegt und mit Nadeln gesichert, werden sie mit Nähten fixiert. Dabei reicht es nicht aus, oben am Bund darüber zu nähen. Etwa 20cm lang sollten die Falten immer wieder durch Handstiche oder eben durch vertikale (!) Nähte gesichert werden.

Beide Teile, vorne und hinten, werden dann an den Seitenkanten rechts auf rechts aufeinander genäht. Nur oben bleiben etwa 25cm offen. Durch diese Schlitze kann später auf die Poschen zugegriffen werden.

Der Bund wird mit Band eingefasst, wobei an den Seiten jeweils 30cm zugegeben werden sollten. Über diese Bänder wird der Rock beim Anziehen mit Schleifen geschlossen.

Zuletzt wird der Rock bei einer Anprobe abgelängt. Die Nahtzugabe darf hier gerne sehr breit umgeschlagen werden, um dem Rock mehr Stand zu verleihen.

 

Fertig!

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