Diese Seite ist tatsächlich weniger ein Making-of als vielmehr eine Sammlung von Detailbildern, aus denen der Konstruktionsprozess deutlich werden soll. Wie bereits auf der Hauptseite des Kleides erwähnt, besteht der Oberstoff aus feiner Wolle in zwei unterschiedlichen Farben.

Der eigentliche Hingucker ist jedoch die Stickerei aus hellblauer und hellgrüner Seide, die allein über die Hälfte der 120 Stunden Arbeitszeit aufgefressen hat.

Dafür wurde der Stoff zunächst mit einer Lage Baumwolle unterlegt. Mithilfe eines Stickreifes und Schneiderkreide habe ich die Muster Stück für Stück zum Leben erweckt.  

Die etwas unschöne Hinterseite des Stoffes sieht man übrigens nicht, da der Oberstoff anschließend darüber gefaltet wurde.

In diesem Schritt wurde zusätzlich das Futter aus grauer Baumwolle flächendeckend in den Rock eingefügt. Es verstärkt den sonst sehr dünnen Stoff und umfasst die Nahtzugaben durch doppeltes Umschlagen. Eine derartige Fütterung ist für das späte 18. Jahrhundert übrigens laut meiner Recherche weniger typisch. Für frühere Jahrzehnte findet sich ein Beispiel im Buch Costume in Detail.

Im Gegensatz dazu wurde das Oberteil traditionell mit Leinen gefüttert. Während die Rückseite im Oberstoffunterteilt ist, wurde das Futter pro Seite in einem Stück gefertigt. Lediglich die hintere Mitte wurde zerteilt, sodass in der Nahtzugabe ein Paar Stäbe eingefügt werden konnten. Weitere finden sich an der Seite, sowie in zweifacher Ausführung vorne, hier jeweils in aufgenähten Baumwolltunneln. Auch auf dem Oberteil und den gekrümmten Ärmeln findet sich die Stickerei des Rockteils wieder.

Eine weitere Besonderheit stellen die verlängerten Zaddeln im Bereich der vorderen Mitte dar. Zusätzlich zum allgemeinen Stil einer Zone Front oder Cutaway Front stechen sie in der Kontrastfarbe deutlich hervor und lehnen sich optisch an den Unterrock an. Für diese Art habe ich hier und da den Begriff des italian gown gelesen.

Im gesamten Kleid ist sowohl eingefärbtes als auch weißes Leinengarn zu finden. Genäht habe ich alles per Hand und – soweit ich es nachvollziehen konnte – mit historischen Techniken. Der Rock ist etwas kürzer als in früheren Dekaden und legt seinen Schwerpunkt auf ein voluminöses Hinterteil, statt seitlicher Hüfterweiterung.

Insgesamt habe ich mit diesem Kleid einen kleinen persönlichen Traum wahr werden lassen und mich in der Stickerei richtig austoben können. Etwa 3 Rollen Garn grün und ebenso viele in blau sind praktisch verschwunden. Wir sprechen von 120 Metern in jeder Farbe, alle per Hand eingearbeitet. Ich hoffe, dass euch dieser kleine Bericht einen Einblick darin geben konnte, wie ich meine Rokoko-Kleider fertige und wie es im Inneren eines vollendeten Projektes aussehen kann.

Hier geht es zurück zu den Making-of-Übersichten, hier zur allgemeinen Informationsseite zum 18. Jahrhundert und hier wiederum zu der Hauptseite des Kleides (ausstehend).