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Cosplay & Historische Kleidung

1770 Italienisches Kleid

Tatsächlich ist mir auch nach Abschluss des Projektes noch nicht hinreichend klar geworden, warum dieser Kleidungsstil oftmals „Italian“ (also italienisch) genannt wird. Teilweise findet sich auf Museumsseiten auch schlicht der Begriff „English Gown“ oder „Robe à l’Anglaise“. Im engeren Sinne meinen diese beiden Begriffe jedoch eine gefaltete und anschließend auf den Futterstoff genähte Rückenpartie, die in den Rock übergeht, während bei „Italian“-Kleidern die Rückseite schlicht durch Nähte geteilt ist. Beim Zuschnitt entstehen daher separate Oberteilstücke, an die erst später der gefaltete Rock genäht wird. Diese Kleiderform ist vor Allem im letzten Quartal des 18. Jahrhunderts anzufinden. Warum das jedoch ein italienischer Trend sein soll, gibt mir Rätsel auf. So viel zur Wortherkunft, nun ein paar Worte zu meinem eigenen Projekt:

Genäht habe ich das Kleid aus einem Bettbezug – wie schon so oft – wodurch ich viel Stoff zur Verfügung hatte. Dadurch konnte ich dem Rock eine kleine Schleppe gönnen, die leider direkt beim ersten Tragen furchtbar verdreckt wurde. Für das Futter dient wie immer ein schlichter Leinenstoff und auch das Nähgarn besteht aus dieser Faser. Hier wurde alles per Hand genäht, wobei ich mich an den Nähtechniken aus Costume Close-up und Fitting&Proper orientiert habe.

Um aus meinem selbst erstellten Rokoko-Basisschnitt ein möglichst authentisches Schnittmuster zu erhalten, habe ich mich an der Polonaise (S. 37f.) und dem Open Gown (S.40f.) aus dem bekannten Patterns of Fashion 1 orientiert. Ein derart großflächiges Muster findet sich übrigens auf einem 1780er Kleid (AC6978 91-11-1) des Kyoto Costume Institutes, sowie auf einem Stoffstück (X.397.1), das sich in der MET Sammlung befindet, um nur ein paar meiner Inspirationen zu nennen.

Auf den Bildern trage ich das Kleid zusammen mit einer perlenbesetzten Schleife und einem Band aus blauer Seide, einem schlichten Baumwolltuch, meiner etwas in die Jahre gekommenen Bergere sowie dem Seidenrock, der eigentlich zu meinem Victoria Ballkleid gehört. Nicht zu sehen sind die Strümpfe, Chemise, Stays, Unterrock und Rocktaschen, die ebenfalls alle selbstgefertigt sind. Maschinennähte findet man lediglich noch auf dem alten Hut sowie natürlich auf den gekauften Schuhen.

Vielen Dank an Franzi, Eva und Stefan fürs Fotografieren im Ludwigsburger Schlosspark.

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