Wie bereits auf der Hauptseite des Kleides erwähnt, ist dieses Projekt aus Langeweile entstanden, da mir für alle Anderen die Materialien gefehlt haben und ich an den gegenwärtigen, wie zum Beispiel dem extrem aufwändigen Senatskleid von Padme aus Star Wars etwas verzweifelt bin. Ich wollte also etwas Überschaubares, Unkompliziertes. Beides trifft tatsächlich nicht auf diese Tournüre zu, aber den Stoff und alle sonstigen Materialien haben sich vorrätig in meinen Kisten befunden, sodass ich sofort anfangen konnte und endlich wieder beschäftigt war.

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Am Anfang stand die Schnittmustererstellung. Die unteren Schichten (Chemise, Korsett, Tournürenunterbau und Unterrock) hatte ich bereits durch meine alte schwarze Tournüre und der Karonüre. Also konnte ich direkt mit dem Kleid beginnen. Wie bei meinem Parallelprojekt, der Wolltournüre, konnte ich für den Basisrock auf einen Schnitt aus „Period Costume for Stage and Screen“ zurückgreifen. Ihn habe ich mit zwei Reihen Rüschen geschmückt, die in unterschiedlichen Faltenmustern hergerichtet wurden.

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Hier sieht man die zusätzlichen Zierbahnen. Diese könnt ihr mittlerweile als eigene Anleitung einsehen, sodass ich dazu nicht besonders viel schreiben möchte. Sie sind mit Körper gefüttert für besseren Stand; die Rüschen sind zweimal so lang wie die Basis und wurden gerafft.

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Der Schleppenanhang (Anleitung) ist abknöpfbar und geht auf den der schwarzen Tournüre zurück.

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Statt Knöpfen habe ich dieses Mal jedoch Haken verwendet. Damit diese nicht den dünnen Taft ausreißen, habe ich vorher kleine Vierecke aus doppelt gelegtem Köper aufgenäht.

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Die Knopfreihe wird unter der untersten Rüsche versteckt. Dort ist außerdem ein kleiner Fehler verborgen: Ich habe das hintere Seitenstück falsch herum angenäht, sodass es vorne länger war als hinten und es erst beim Ablängen gemerkt. Dann war der Bund schon dran und Auftrennen kam nicht Infrage, also musste ich ein kleines Dreieck einsetzen.

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Alle Rockschichten (ohne Überrock) sehen zusammen dann so aus:

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Zwischen dem Basisrock und den Zierbahnen sollte noch ein Überrock kommen, der aus zwei drapierten Stoffstücken besteht. Allerdings sieht man auf diesem Bild, dass meine Rechnung überhaupt gar nicht aufgegangen ist. Beim Raffen hat sich der untere Teil nach außen gedreht und überhaupt scheint das Ganze viel zu groß zu sein.

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Was man an diesem Punkt auch gut sieht, ist der Zwischenstand des Oberteils. Vorne fehlt noch das Mittelteil, aber im Grunde kann man schon eine gute Vorstellung davon gewinnen, wie es fertig aussehen soll. Die Knitter kommen davon, dass meine Schneiderpuppe einen tieferen Brustbereich hat (durch das Korsett liegt das sonst höher) und dass der Rock etwas hoch befestigt wurde.

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Auf diesem Bild sieht man, dass die untere Kante mit selbstgemachtem Schrägband eingefasst ist, das ich anschließend per Hand auf der Rückseite befestigt habe.

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Zurück zum Rock: Ich habe nun das gesamte Schnittmuster des Überrocks zweimal geändert. Beim ersten, sprich zweiten Versuch, habe ich einen Schnitt aus „Period Costume for Stage and Screen“ ausprobiert, aber mein Stoff war zu leicht, wie ich finde, um die Drapierung zu halten. Also habe ich nochmal einen guten Teil weggeschnitten und mich für eine nicht drapierte Schürze entschieden. Um den geraden, schlichten Look wieder etwas aufzupeppen, habe ich dann eine Rüsche angefügt, die den Stil der Bahnen wieder aufgreift. Apropos: Diese habe ich dann in den Bund des Überrocks eingefügt, um mir eine weitere auftragende Schicht zu ersparen.

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Wie man auf diesem Bild sieht, haben der Überrock und die Bahnen einen richtigen Bund statt der dünnen Bänder, die ich sonst immer verwende. Das liegt daran, dass die Massen nicht direkt in der Taille sitzen sollen und die geschnürten cm wieder zunichtemachen. Um dem einfachen Taft etwas Verstärkung zu geben, habe ich einen Zierstich meiner Nähmaschine ausprobiert.

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Alle Röcke, aber ohne Schleppe, sehen in Kombination dann so aus:

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Nun zu den Oberteilen: Da mich die Dinnertaille zunächst etwas mehr Nerven als nötig gekostet hat, habe ich lieber an der Balltaille weitergearbeitet. Diese besitzt kurze Ärmel, sitzt in der Taille und greift mit der gerüschten Front ein Stilelement der Dinnertaille wieder auf. Den Schnitt habe ich mithilfe des Basic Patterns aus „Creating Historical Clothes“ selbst gezeichnet. Nach dem ersten Probeteil musste ich noch ein paar Kleinigkeiten ändern. Das zweite Teil saß dann und konnte auch gleich als Futter verwendet werden, da ich es aus stabilem Baumwollköper zugeschnitten hatte.

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An dieser Stelle ein kleiner Tipp: Um Oberteile selbst anzupassen, die eigentlich eine Rückenschnürung besitzen, einfach beim Probeteil den Rücken schließen und beim Vorderteil stattdessen eine Öffnung mit Nahtzugabe einfügen. So lässt es sich selbstständig anziehen. Die Nahtzugabe bei meinem Probestück konnte ich dann vorne gleich für das Einfügen von Tunneln benutzen. In insgesamt acht Tunneln verlaufen nun an verschiedenen Stellen Kabelbinder. Diese verleihen mehr Stand, da der Oberstoff keinen besitzt. Unter Anderem deswegen habe ich ihn nur an der Ausschnittkante rechts auf rechts auf das Futter genäht und gewendet, an allen anderen Kanten sitzt er links auf links auf dem formgebenden Futter.

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Wie auf dem Bild zu sehen, fehlt beim Oberstoff ein Stück, da mir das Material ausgegangen ist. Hier kommt aber ohnehin die Rüsche drauf. Anhand der folgenden Bilderserie lässt sich der Entstehungsprozess gut nachvollziehen.

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An der unteren Kante ist Schrägband angebracht, das ich auf der Rückseite per Hand festgenäht habe. Hier wird der Stil der Dinnertaille erneut aufgegriffen.

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Als nächstes kamen die Ärmel an die Reihe. Damit auch die Bündchen mehr Stand haben, wurde der spätere innere Teil mit einem Köperband unterlegt. Die Nähte, mit denen es befestigt ist, sieht man später außen nicht, seine formgebende Wirkung allerdings schon.

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Zuletzt habe ich noch eine Rüsche an den Ausschnitt genäht. Da ich mittlerweile wirklich Probleme wegen Materialknappheit hatte, musste ich das 180cm lange Teil aus mehreren Stücken zusammensetzen.

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Die Taille schließt über eine Schnürung. Allerdings ist Taft recht empfindlich und ich habe mir Sorgen gemacht, dass beim Durchstechen mit einer Ahle eventuell Fäden gezogen werden könnten, was man bei dem glatten Gewebe schnell sieht. Also habe ich stattdessen die Ösen angenäht, deren Gegenstücke ja bereits an der Schleppe Verwendung gefunden haben. Insgesamt sind es sechs Paar.

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Zurück zur Dinnertaille: Nach einer Anprobe hat sich gezeigt, dass bei der Schnittmusterstellung der Front etwas schief gegangen sein muss. Wie man auf dem folgenden Bild sieht, musste ich die beiden mittigen Stücke etwas verkleinern, was aber nicht sonderlich schlimm war. Außerdem habe ich mich nun doch für einen Kante-auf-Kante Verschluss entschieden statt der geplanten Knöpfe, da das Bild durch den gerüschten Stoff nicht noch mehr Unruhe verträgt. Daher habe ich zwölf Paar Haken und Augen angenäht.

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Die Ärmel erinnern etwas an einen Rokoko-Schnitt, da die Naht vorne sitzt statt unten. Die Rüsche habe ich angesetzt, bevor ich diese geschlossen habe, daher waren ein paar Tricks nötig: Wie man sieht, habe ich sie erst hinterher komplett geschlossen.

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Außerdem war die Armkugel oben etwas voll, weswegen ich per Hand eine Art Abnäher nachträglich eingefügt habe.

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Eine weitere nicht geplante Änderung hat sich nochmals in der vorderen Mitte zugetragen: Hier hatte ich ursprünglich vor, das Mittelteil kürzer als die äußeren Stücke zu machen. Das hat mir optisch nicht gefallen, weswegen ich die seitlichen Teile gekürzt habe. Dafür musste ich das Verzierungsband auftrennen und neu machen. Der Ausschnitt ist übrigens mit Schrägband verstärkt. Viele dieser Schritte haben Handnähte erfordert.

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Somit wäre das gesamte Outfit fertig. Bilder im getragenen Zustand sollen bald folgen und werden eine eigene Seite bekommen. Von dem Taft habe ich nur noch ein paar winzige Stücke übrig, von denen wahrscheinlich keines größer ist als ein normales Blatt Papier.

 

FunFact: Das Kleid in Zahlen

– Gesamtlänge Rüschen: ca. 34 Meter

– 8m Taft

– 2m Köper

– 1m Schrägband schwarz

– mehrere Kabelbinder

– ca. 2000m grünes Garn

– etwas schwarzes Garn

– 10 Par Haken und Augen groß metall

– 12 Paar Haken und Augen YKK Nr.3 schwarz

 

Einen kleinen Hut habe ich mir übrigens auch noch gefertigt. Dafür gibt es auch eine eigene Anleitung, sodass ich an dieser Stelle nur ein kleines Bild posten möchte.

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