Nachdem ich meine Krinoline aufwendig in Blender 3D-modelliert und anschließend in ein Schnittmuster umgewandelt hatte, musste natürlich auch ein passendes Kleid her. Entschieden habe ich mich für einen karierten Wollstoff, aus dem ein langärmeliges Oberteil sowie ein  Rock mit Rüsche werden sollte. Insgesamt hatte ich nur 4m zur Verfügung und damit keinen Raum für Verschnitt und Co.

Als Inspiration für das Oberteil hat ein recht bekanntes Ensemble aus dem Museum of London hergehalten, das auch in Patterns of Fashion 2 abgedruckt ist und auf 1861-63 datiert wurde. Auch dafür habe ich das Schnittmuster selbst erstellt und mich an besagten Informationen aus dem Buch orientiert. Die rund verlaufende Rüsche macht den Eindruck, dass es eine Weste und separate Jacke ist. Tatsächlich ist beides aber in einem Teil gearbeitet. Zu dieser Zeit gab es beide Varianten. Die Blusenärmel sind ebenfalls direkt eingearbeitet.

Durch das Füttern mit Baumwollköper und einer zusätzlichen Schicht Wolle für extra Wärme hat das Oberteil bereits sehr viel Stand. Den Verschluss bildet eine Reihe silberner Knöpfe.

Die Inspiration für den Rock stammt nicht vom genannten Museumsstück, sondern von einem Modekupfer. Damit die Karos parallel zum Boden verlaufen, habe ich die Mehrlänge im hinteren Teil oben ausgeglichen. Im Nachhinein werde ich ihn rundherum noch ein wenig kürzen. Geschlossen wird er über Häkchen am breiten Taillenband.

Um die Silhouette etwas weicher zu gestalten, trage ich zwei Unterröcke zwischen Krinoline und dem eigentlichen Rock. Ein weiterer befindet sich unter den Reifen, um bei Windstößen ungewollte Blicke zu verhindern. Damit die Krinoline, die leicht asymmetrisch ist, nicht nach vorne kippt, trage ich ein halbmondförmiges Kissen darunter.

Im oberen Teil bilden eine Chemise und das Korsett die nötige historische Form. Ich habe das Korsett beim Fotoshooting das erste Mal getragen und es hat seinen Test bestanden. Passend zum Outfit musste natürlich ein Hut her, der die Materialien des Kleides wiederspiegelt.

Genäht habe ich grundsätzlich per Maschine, auch wenn an vielen Stellen des Fertigungsprozesses zusätzliche Handarbeit gefordert war. Dabei habe ich auf Stiche verzichtet, die die frühen Maschinen des 19. Jahrhunderts noch nicht im Repertoire hatten.

Insgesamt gefällt mir das Ergebnis sehr gut und ich habe mich gefreut, dass Fotograf Franke wieder bei einem spontanen Fotoshooting mit dabei war und diese wunderschöne Landschaft eingefangen hat. Danke auch an Nils fürs Organisieren. Mit Sicherheit werde ich in Zukunft weitere Kleider aus den 1860ern nachnähen.