Bereits in der ersten Planung hatte ich mehrere Oberteile eingeplant. Dies umschloss unter Anderem eine sogenannte Tagestaille mit charakteristischen langen Ärmeln und von hochgeschlossener, schlichter Machart. Abends konnten die Damen dann etwas mehr Haut zeigen. Bei den Ballkleidern für formelle Anlässe wurde dies dann auf die Spitze getrieben und die Taillen bekamen tiefe, geschwungene Ausschnitte und kurze Ärmelchen.

Mehrere Oberteile für einen einzigen, aber materialverschlingenden Rock zu haben, war nicht unüblich. Allerdings bedeutete dies für mein Projekt, dass sowohl Tages- als auch Balltaille aus demselben Baumwollstoff gefertigt werden mussten. Seide wäre womöglich etwas näher am Original gewesen, aber in Hinblick auf die dünnen, fast durchsichtigen Kleidchen, die sich in Museen hin und wieder finden, schien mir meine Variante zumindest nicht unmöglich. Auch im oben erwähnten Patterns of Fashion findet sich eine Seiden-Baumwoll-Mischung mit mehreren Taillen.

Karonüre 1 700

Hier ist die Balltaille zu sehen, getragen mit einem sogenannten Tablier, was man mit kürzerem Überrock übersetzen könnte. Beide Teile wurden mit grünem Baumwollband dekorativ eingefasst, das von der 1862er Riding Habit übrig geblieben ist. Damit passen sie sehr gut zu dem Rock von letzterem, was mir zugute kam, als für unseren Spaziergang im Schlosspark Wilhewmshöhe schlechtes Wetter angesagt war und ich den weißen Rock nicht durch den Dreck ziehen sollte. um auch die Schleppe des Reitkleides keinee übermäßigen Belastung auszusetzen, nähte ich Bänder zum Raffen ein. Momentan schließt die Taille noch mit Haken und Ösen, was jedoch durch eine Schnürung ersetzt werden soll. Auch das Tablier wird mit solchen geschlossen und ist durch verschiedene in der Weite leicht variierbar. Ich trage es auch zu der Dinnerversion des Ensembles.


Die unendliche Geschichte (mehr Infos zum Umarbeitungsprozess gibt es auch unter „Aus alt mach neu„)

Das Ganze sah nicht immer so aus… Ich begann 2012, damals beeinflusst von den sehr abwechslungsreichen Kleidern aus „Fackeln im Sturm“, bei denen der Historiker besser ein Auge zudrücken sollte, mir ein Kleid für den Zeitraum 1860-64 zu nähen. Auch nach mehreren Jahren wollte ich dieses jedoch nicht anziehen, da mir die Krinolinen- („Reifrock-„) Mode nicht gefallen wollte. Also veränderte ich zuerst die Balltaille und setzte eine dekorative Rüsche an. Dann nähte ich eine dritte Taille, zu sehen unter Karotaille Dinnerversion. Es scheiterte wieder am Rock. Nach etwa vier Jahren zerschnitt ich schließlich alle drei Rockbahnen und nähte daraus eine Tournüre, die sich an das oben erwähnte Ensemble aus Patterns of Fashion 2 anlehnte und somit in das Jahr 1871 oder 72 gehört. Das Ganze war ein ziemliches Puzzlespiel, aber am Ende klappte der Umänderungsprozess. Nur ein etwa DinA5 großes Stück blieb übrig, sowie ein paar kleine Fetzen. Hier ein kleines Foto, damit der Wandel deutlich wird.

Karo Krinoline klein


Zu den Schnittmustern

Durch die große Anzahl an Änderungen habe ich die unterschiedlichsten Schnittmuster verwendet: Die Chemise ist aus einem Simplicity Schnittmuster, ebenso wie das Korsett, von dem ich jedoch mittlerweile die vierte Version genäht habe und das der Vorlage somit fast überhaupt nicht mehr gleicht Den ursprünglichen Krinolinenrock habe ich nach dem Schema meiner Basisröcke gemacht, lediglich etwas länger. Auch der Reitrock, den ich nun dazu trage, ist nach ähnlichem Prinzip mit Schleppe gefertigt und wurde hinten mit zwei Bändern zum Raffen versehen, die jeweils rechts und links von der Verschlussleiste einhaken, 52cm unterhalb der Taille angenäht sind und eine Länge von 20cm besitzen. Die Taille ist selbst gezeichnet und ähnelt der des 1861er Ballkleides. Wie ihr eine Krinoline herstellt, könnt ihr ebenfalls in einer meiner Anleitungen erfahren. Das Tablier ist grob an den Rock der Dinnerversion angelehnt, nur kürzer.

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